Description
Der Gegenstand dieses Buches sind die Sozialwissenschaften. Damit meinen wir insbesonde re - in alphabetischer Reihenfolge -Erziehungswissenschaft, Ethnologie, Geschichtswissen schaft, Kriminologie, Kulturanthropologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie, VOikerkunde und Wirtschaftswissenschaft. Das Ziel des Buches besteht jedoch nicht in einer Einfiihrung in diese Wissenschaften oder in einer Darstellung der Ergebnisse oder Methoden dieser Wissenschaften. Es geht vielmehr darum, wie diese Wissenschaften arbeiten und arbeiten sollten. Dies ist die Fragestellung der Methodologie bzw. Wissenschaftstheori- beide Ausdriicke werden im folgenden synonym verwendet. Man versteht diese Fragestel lung am besten, wenn man sie mit den Fragestellungen der empirischen Wissenschaften wie z. B. der Soziologie vergleicht. Diese Wissenschaften beobachten die Realitiit: Es werden z. B. Theorien formuliert und es wird versucht festzustellen, inwieweit diese Theorien mit der Realitiit iibereinstimmen. Die Methodologen haben ein anderes Ziel: Sie nehmen sozu sagen die Vogelperspektive ein. D. h. sie beobachten das, was Sozialwissenschaftler tun, und unterziehen deren Tun einer kritischen Analyse. Die Methodologie versucht also nicht di rekt, die Sozialwissenschaften weiterzuentwickeln, indem sie z. B. neue Theorien vorschlagt oder versucht, neue Methoden zu entwickeln. Sie befaBt sich vielmehr dam it, was die Sozial wissenschaften tun. Dies bedeutet jedoch nicht, daB die Methodologie fiir die Weiterentwicklung der So zialwissenschaften bedeutungslos ist. Das Gegenteil ist der Fall, wie wir im folgenden Kapi tel sehen werden: Ein Sozialwissenschaftler, der sich mit der Methodologie beschiiftigt hat, wird viele Fehler, die zu fragwiirdigen theoretischen Aussagen und Entscheidungen fUhren, vermeiden.