Description
Einleitung 1 Diese Studie erfasst deutsche Gewerkschaften , indem sie das soziale und koll- tive Handeln ihrer hauptberuflichen Mitglieder untersucht - ein Handeln, wie es die Gewerkschaften organisationskulturell konstituiert und wie es umgekehrt von den Gewerkschaften beeinflusst wird. Kollektives Handeln umfasst aus der rekonstruktiv ermittelten Perspektive hauptberuflicher Akteure im mitgliedernahen Bereich von Gewerkschaften - wohl emotionale als auch moralische und kognitive Aspekte, die unter der b- grafieanalytischen Perspektive erfasst werden. Die Wahl dieses akteursbezo- nen Ansatzes für die vorgelegte qualitative Studie resultiert aus einem empiri- 2 schen Befund , der auf starke regionale Differenzen im ehrenamtlichen Enga- ment bei Gewerkschaften verweist. Ursprünglich beabsichtigte die Arbeit zu klären, welche begünstigenden und hemmenden Faktoren für das Zustandekommen ehrenamtlichen Enga- ments bei Gewerkschaften rekonstruiert werden können. Im Forschungsprozess entwickelte sich daraus die Frage: Wie kommt es dazu, dass Menschen sich einer Gewerkschaft anschließen und inwieweit verändern sie dadurch sich selbst und zugleich die Gewerkschaft? Antwort auf diese Fragen gibt das in dieser Studie generierte theoretische Erklärungsmodell zur Rekrutierungs- und Bindungspraxis in der sozialen Welt der Gewerkschaften. Diese gegenstandsbezogene Theorie verdankt sich ein- seits der methodologischen Einsicht in die Begrenztheit des eigenen Frageho- zonts und wie wenig er mir bei der Erforschung der komplexen sozialen Wi- lichkeit der Gewerkschaften von Nutzen sein würde. Andererseits verdankt sie sich der Erkenntnis, welch großes Potenzial in dem liegt, was hauptberufliche Gewerkschaftsmitglieder aus ihrem Berufsalltag von sich aus zu erzählen haben.