Description
Seit der Jahrhundertwende sind die Medizin und ihre Rand gebiete durch zahlreiche Erkenntnisse auf dem Gebiete der Er forschung erblicher Blutkörperchenmerkmale des Menschen be reichert worden. So wurde durch Landsteiners Entdeckung der klassischen Blutgruppen eine Blutübertragung von Mensch zu Mensch ermöglicht, es wurde die unterschiedliche rassische Verteilung dieser Gruppen durch Hirszfeld beschrieben und dieses Wissensgebiet schließlich durch eine ganze Reihe von weiteren erblichen Blutkörperchenmerkmalen in Gestalt der Blut faktoren erweitert. Die Entdeckung des Rhesusfaktors durch Land steiner und Wiener führte weiter zur Abklärung der Ätiologie des Morbus haemolyticus neonatorum durch Levine. Die Kennt nis dieses und weiterer in der Zwischenzeit gefundener Blutfaktoren ermöglicht die Vermeidung von Transfusionszwischenfällen, deren Ätiologie bisher ungeklärt war. Ausgedehnte Familienforschungen ließen den Erbgang dieser Blutkörperchenmerkmalsysteme einwandfrei erkennen und bieten damit die Möglichkeit, diese gesicherten Erkenntnisse in foren sischen Fragen anzuwenden. Da die Berechnung der Wahrscheinlichkeit, einen Vaterschafts ausschluß im konkreten Falle führen zu können, einigermaßen müh sam ist, haben wir diese Wahrscheinlichkeiten für eine größere Zahl von Merkmalsystemen zahlenmäßig erhoben. Für die Durchsicht des mathematischen Teils und Hinweise für die Fehlerberechnung sind wir Herrn Dozent Dr. Schmetterer (Mathematisches Institut der Universität Wien) zu Dank verpflichtet. Wien, im November 1952 Die Verfasser In der vorliegenden Arbeit werden die Wahrscheinlichkeiten eines Vaterschaftsausschlusses bei Kenntnis der Blutgruppe und einiger Blutfaktoren von Mutter und Kind unter Zugrundelegung der Frequenz der Blutgruppen und Blutfaktoren in der Wiener Bevölkerung berechnet. Die Zahlenwerte der Frequenzen wurden der Arbeit von Speis er und Mohl entnommen.