Description
·'Wir Jungen kennen die Welt ja nur als Krisis, kennen unser Deutschland nur im Schwebezustand zwischen Leben und Tod. - Krieg . . . Revolution . . . Krieg mit · andem' Mittel; Kampf nach außen . . . Kampf im Innem; Klassenkampf . . . Bru derkampf . . . Parteienkampf; Kampf um die Schule . . . Kampf um das Gebiet . . . Kampf um den Handel-das ist die Welt unserer eigenen Erlebnisse, das ist die 1 erlebte Welt, die wir unser eigen nennen dürfen. " Diese Selbstverortung des 1893 geborenen Wirtschaftswissenschaftlers Ernst Schuster, verfasst in der Mitte der 20er Jahre, war typisch für die Weltsicht einer ganzen Generation von In tellektuellen-jene nämlich, die, in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts ge boren, durch den Ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution und die ersten Nachkriegsjahre geprägt wurden. In diesen besonders tiefgreifenden "Krisenjah ren der klassischen Modeme" (Detlev Peukert) war die Revolution nicht nur ein politischer und sozialer Vorgang zur Beendigung des Krieges und zur Umwäl zung der Sozialverhältnisse, sondern auch Ausdruck eines Krisenbewusstseins Teil einer länger andauernden Reaktion auf eine Umbruchsituation in der Gesell schaft, die seit der Jahrhundertwende besonders stark verspürt wurde, vor allem 2 unter Intellektuellen Vielen von ihnen erschien der Erste Weltkrieg als eine Möglichkeit, aus einer vermeintlichen Verfallssituation auszubrechen. Während ein Großteil dieser Generation Halt in der Idee des nationalen Wiederaufstiegs und der völkischen Superiorität suchte, orientierte sich ein ebenfalls beträchtli cher Teil der jungen Intellektuellen nach links und suchte einen Ausweg aus der allgemeinen Krise im Spannungsfeld zwischen parlamentarischer Demokratie und Kommunismus.