Description
Die Beurteilung von Auszubildenden in den Betrieben war in den vergangenen Jahren häufig Gegenstand teilweise heftiger Kritik der Gewerkschaften. Insbesondere die Beurteilung von Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmalen wurde abgelehnt und eine Beschränkung auf fachliche Inhalte gefordert, die direkt aus der Ausbildungsordnung abgeleitet werden können. Jede darüber hinausgehende Beurteilung, ob sie nun im Rahmen der Bewerberauswahl stattfand oder zur Beurteilung des Ausbildungserfolgs durchgeführt wurde, wurde und wird auch heute zumeist noch abgelehnt. Gelegentlich hat man jedoch den Eindruck, daß sich die Situation etwas entschärft hat, wie die weiter unten dargestellten Beispiele aus der Praxis betrieblicher Beurteilungen zeigen. Dazu trägt sicherlich auch eine verstärkte Ausrichtung auf Ausbildungsmethoden bei, in denen Merkmale wie Selbständigkeit, Sozialverständigkeit oder Teamverhalten eine besondere Bedeutung haben. Zu verzeichnen ist außerdem eine Wandlung in der Rolle des Ausbilders, die mit dem Stichwort "Lernberater" nur angedeutet sei. Ein auf partnerschaftliches Verhalten ausgerichtetes Ausbildungsgeschehen liefert schließlich die Grundlage für ein Vertrauensverhältnis zwischen Ausbilder und Auszubildenden, das wiederum Voraussetzung für ein auf konstruktive Kritik ausgerichtetes Beurteilungsverfahren ist. Die Arbeitgeber der Wirtschaft begrüßen diese Entwicklung. Die Mehrdimensionalität beruflicher Qualifikationen - Berufliche Qualifikation ist mehr als die Beherrschung fachlicher Anforderungen und der in Ausbildungsordnung und Rahmenlehrplan beschriebenen Fertigkeiten und Kenntnisse. Daß dies heute weitgehend wieder Allgemeingut ist, ist Resultat einer langjährigen berufspädagogischen und bildungspolitischen Diskussion des Qualifikationsbegriffs und der Ziele von Berufsausbildung.