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Medial viel diskutierte Phänomene wie die ´Erosion des Flächentarifvertrags´ oder die angebliche ´Flucht aus den Arbeitgeberverbänden´ zeigen an, dass das deutsche Tarifsystem in den 90er Jahren zunehmend in die Krise geriet. Die Arbeit analysiert die historisch etablierten Funktionsmechanismen des deutschen Tarifsystems sowie die Ursachen für die auftretenden Probleme im Zuge von Dezentralisierung, Verbetrieblichung der Verhandlungsprozesse und wirtschaftlicher Internationalisierung. Es wird die These entwickelt, dass die Stabilität des deutschen Tarifsystems zentral von einer nicht institutionell garantierten, ´freiwilligen´ engen Kooperation zwischen betrieblichen und tariflichen Akteuren abhängt. Deutlich werden diese impliziten Bestandsbedingungen des deutschen Tarifsystems durch eine detaillierte empirische Analyse der - besonders heiklen - Beziehungen zwischen ostdeutschen Arbeitgeberverbänden und Geschäftsleitungen sowie ostdeutschen Gewerkschaften und Betriebsräten.
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Das deutsche Tarifsystem in der Krise
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Das deutsche Tarifsystem geriet in den 90er Jahren zunehmend in die Krise. Die Arbeit rekonstruiert seine Funktions- und Bestandsbedingungen. Zentrales Ergebnis dieser interessenpolitischen sowie institutionentheoretischen Analyse ist die These, dass die jahrzehntelang anerkannte Stabilität und Leistungsfähigkeit des deutschen Tarifsystems nicht in erster Linie auf dessen formalen Institutionenregeln beruht(e), sondern zentral mit der ´freiwilligen´ engen Kooperation von betrieblichen und tariflichen Akteuren zusammenhängt. Der Strukturwandel von Wirtschaft und Gesellschaft seit Mitte der 70er Jahre, die Zentralisierung und Verbetrieblichung der Verhandlungsbeziehungen zu einem Zeitpunkt interessenpolitischer Defensive der Gewerkschaften und Betriebsräte und v.a. in den 90er Jahren die wirtschaftliche Internationalisierung haben zu Verschiebungen im ehemals austarierten Kooperationsgefüge zwischen betrieblichen und tariflichen Akteuren geführt. Besonders deutlich werden die impliziten Bestandsbedingungen des deutschen Tarifsystems an der problematischen tariflichen Situation in Ostdeutschland. Deshalb werden in der vorliegenden Arbeit über 140 qualitative Interviews mit Arbeitgeberverbands- und GewerkschaftsfunktionärInnen, Geschäftsleitungen und Betriebsräten in der ostdeutschen Metall-, Bau und Chemieindustrie ausgewertet. Sie bilden die Grundlage für eine detaillierte Analyse der ausgesprochen heiklen Beziehungen zwischen ostdeutschen Arbeitgeberverbänden und Geschäftsleitungen sowie ostdeutschen Gewerkschaften und Betriebsräten. Das ostdeutsche Fallbeispiel verweist auf die impliziten Bestandsbedingungen des deutschen Tarifsystems, die hier im Zuge des institutionellen sowie wirtschaftlichen Transformationsprozesses nur unzureichend etabliert werden konnten.
About the Author
Ingrid Artus arbeitete mehrere Jahre als wissenschaftliche Angestellte an der
Universität Jena und ist gegenwärtig Assistentin am Institut für Soziologie der
TU München